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Die Hamburger Schule ist eine methodenkritische Auswertungsmethode, die zwischen 1913 und 1925 in Hamburg
von Alfred Witte (1878-1941) entwickelt wurde.
Sie knüpfte an Traditionen der überlieferten Astrologie an, wie sie von Albert Kniepf (1853-1924)
veröffentlicht worden sind (Zodiakus, Nr. 1/1907, Freiburg/Brsg, Seite 26). Witte entwickelte daraus völlig
neue Ansätze, ein Horoskop zu übersetzen.
Begriff
Geprägt wurde der Begriff „Hamburger Schule" von Friedrich Sieggrün (1877-1951) auf dem
II. Astrologen-Kongress in Leipzig, vom 30. Juni 1923 bis 2. Juli 1923. Er hielt Referate
über „Astrophilosophie" und „Transneptunische Planeten" und „Sensitive Punkte". In den Referaten
und den dann folgenden Diskussionen tauchte erstmals der Begriff „Hamburger Schule" auf. Darunter
verstanden die Teilnehmer die von Alfred Witte entwickelte Lehre, als deren Verkünder und Sprecher
Sieggrün aktiv wirkte. Darüber berichteten die „Astrologischen Blätter", 5. Jahrgang, Heft 5, August 1923,
Seite 84 und die „Astrologische Rundschau", 14, Jahrgang, Heft 2, August 1925, Seite 1-15 und 25-29.
Die Anfänge
Alfred Witte war von Beruf Landmesser (Geodät, Geometer). In seiner Freizeit widmete er sich der
astrologischen Forschung. In seinem ersten Aufsatz „Betrachtungen über Farbe, Zahl, Ton", erschienen
in der „Astrologischen Rundschau", 4. Jahrgang, Heft 1, 1913, Seite 4-10, stellte er einen völlig
neuen Ansatz darüber vor, wie das astrologische Deutungssystem aufgebaut ist. In seinen folgenden,
zwischen 1919-1923 erschienenen 26 Aufsätzen erläuterte er die Grundlagen, in den weiteren,
zwischen 1924-1925 veröffentlichten 21 Aufsätzen die Feinheiten. In 1928 kam sein Grundwerk,
„Regelwerk für Planetenbilder" im Ludwig Rudolph (WITTE-Verlag) Hamburg, heraus. Bereits 1935
erreichte es die 3. Auflage. Ein Jahr später wurde es
verboten. Der grösste Teil der noch unverkauften Auflage wurde vernichtet.
Grundlage und Aufstieg
Alfred Witte konnte sich als Vermessungstechniker der Astrologie mit einem mathematisch-analytischen
Ansatz nähern. Mit seiner von ihm entwickelten Technik gab er der Astrologie
moderne Impulse, schuf die 'Astrologie von morgen'. Die wesentlichen Besonderheiten seiner Findungen (sie
gehören zur Methodengrundlage der Hamburger Schule) sind:
1. Drehbare 360-Gradscheibe ("Astrologische Rechenscheibe").
Die Scheibe zeigt an ihrem äußeren Rand eine konventionelle Skala, deren Vollkreis in 360 Grad (°),
1 Grad (°) besteht aus 60 Bogenminuten, gegen den Uhrzeigersinn eingeteilt ist. Mittig wird eine
Verschraubung gesteckt. Sie macht die Gradscheibe drehbar und gleichzeitig hält sie das darunter
liegende Papier mit der Gradscheibe zusammen.
Die astrologischen Symbole für Sonne, Mond und Planeten, die wir Faktoren nennen, werden mit ihren
astronomischen Positionen am Rand der Gradscheibe auf das Papier eingetragen (anstatt in ein Horoskop-Formular
eingezeichnet).
2. Planetenbild und Halbsumme
Die Faktoren, verteilt um die 360-Gradscheibe, bilden untereinander geometrische Figuren,
z. B. Dreiecke, Quadrate, Rechtecke, Trapeze.
Wenn an jeder Ecke einer solchen geometrischen Figur ein Faktor eingezeichnet ist, sprechen wir von einem
Planetenbild[1].
In der Mitte der geometrischen Figur liegt die Symmetrie- oder Spiegelachse.
Zwei Symbole, die um eine Symmetrieachse den gleichen Abstand haben, bilden eine sog. Halbsumme [2].
Zwei Halbsummen formen ein Planetenbild.
Die symmetrisch um eine gemeinsame Spiegelachse angeordneten Faktoren, die zwei Halbsummen bilden,
kann man als eine geometrische Figur (s. o.) und wie eine algebraische Formel darstellen:
a + b = c + d (Summen) oder
(a + b)/2 = (c + d)/2 (Halbsummen) oder
a + b - c = d ("d" = sensitiver Punkt) oder
a-c = d-b (Differenzen) oder
a-d = c-b (Differenzen) oder
b-c = d-a (Differenzen) oder
b-d = c-a (Differenzen)
Für Halbsummen (a + b)/ 2 = (c + d)/ 2 wird die abgekürzte Schreibweise a/b = c/d ,
der Schrägstrich soll die Symmetrieachse symbolisieren, umgangssprachlich verwendet.
Anstatt vier Faktoren können sich nur 3 Faktoren um eine Symmetrieachse spiegeln, wobei der 3. Faktor
in der Mitte steht (Punktspiegelung). Abgekürzte Schreibweise: a/b = c/c ).
Anstatt vier Faktoren können sich nur 2 Faktoren um eine Symmetrieachse spiegeln, wobei beide Faktoren
in der Mitte stehen (Punktspiegelung). Abgekürzte Schreibweise: a/a = b/b .
3. Persönliche Punkte
Zentrale Bedeutung für die Auslegung eines Horoskopes (Stundenbild der Planeten etc. zum Zeitpunkt der
Geburt am Ort der Geburt) werden sog. Persönlichen Punkten zugemessen. Darunter wird verstanden:
- MC, Medium Coeli, Schnittpunkt des an den Himmel projizierten Längengrades der Erde mit der Ekliptik
(Bahn der Erde um die Sonne)
- Aszendent, der im Osten liegende Schnittpunkt der Horizontlinie mit der Ekliptik
- Sonne, Zentralgestirn unseres Sonnensystems
- Mond, Erdtrabant
- Mondknoten, der Schnittpunkt der Erdbahn mit der Mondbahn
- Widderpunkt, der Schnittpunkt des Erdäquators mit der Ekliptik
Diese sechs sog. Persönlichen Punkte bilden jeweils ein Auslegungsprinzip (Häuser) und den Ausgangspunkt für eine
systematische Betrachtungsweise des Horoskopes, als eines symbolischen Spiegelbildes von Charakter und Schicksal.
Gradscheibe, Planetenbild, Halbsumme und Persönliche Punkte bilden die Grundlage der
Auswertungsmethode Hamburger Schule. Mit dieser Methode fand Witte ...
4. Transneptun-Planeten
MC, Aszendent, Widderpunkt, Mondknoten, Sonne, Mond und Planeten werden als Symbole verstanden, die eine Deutung
ermöglichen und damit ein Abbild der materiellen oder geistigen Wirklichkeit liefern. Die Hamburger Schule spricht
daher nicht von Gestirnswirkungen, sondern von Anzeigern, ähnlich einem Tachometer. In diesem Sinne sind
auch die acht Transneptun-Planeten einzuordnen. Sie konnten bis jetzt (2008) astronomisch noch nicht
nachgewiesen werden - wohl aber astrologisch. Das belegen viele Autoren in hunderten von Aufsätzen
(von 1919 bis heute, s. u., Quellen, [4] [5]).
Die von Alfred Witte astrologisch gefundenen vier Transneptun-Planeten heissen:
- Cupido, Hades, Zeus und Kronos.
Die von Friedrich Sieggrün astrologisch gefundenen vier Transneptun-Planeten heissen:
- Apollon, Admetos, Vulkanus und Poseidon.
Unterbrechung
Nach der Beschlagnahme des Hauptwerkes, „Regelwerk für Planetenbilder" in 1936, stand Witte als
Beamter unter besonderer Beobachtung der Gestapo.[3] In seiner Freizeit durfte er keinen
Astrologie-Unterricht mehr geben. 1941 starb Alfred Witte.
Fortentwicklung
Nach dem 2. Weltkrieg beauftragte der Verleger Ludwig Rudolph (1893-1982) Hermann Lefeldt (1889-1977), profunder
Kenner von Wittes Lehre, das „Regelwerk für Planetenbilder" neu zu schreiben. Der Deutungstext wurde
erheblich ergänzt, wodurch sich der Umfang verdoppelte. Die 5. Auflage erschien 1959. Kurz davor
kam 1957 das Stichwörter-Verzeichnis „Lexikon für Planetenbilder" heraus und 1962 verlegte Rudolph die „Methodik
der Astrologischen Häuser und Planetenbilder. Band 1. Die Häuser". Band 2, Planetenbilder, erschien
nicht mehr. Statt dessen bereicherten die „Hamburger Hefte" [4] und „KENNER" [5] den Markt. Sie enthalten
zahlreiche Aufsätze (umfassen insgesamt mehrere tausend Seiten). Damit steht ein komplexes
Grundlagenwerk für die 'Astrologie von morgen‘ dem Anwender für Forschung und Lehre zur Verfügung.
Wirkung
Wittes erste Aufsätze erregten die Gemüter der Astrologen. Schnell stellten sich Befürworter und Gegner
ein. Die Gegner bemängelten die „kalte Technik" und rieben sich am Thema „Freier Wille". Zugleich ließen
es aber einige zu, dass Teile der „Hamburger Schule", wie Halbsummen und Planetenbilder, von ihnen
übernommen wurden (Ebertin-Methode/Kosmobiologie: "Kombination der Gestirneinflüsse"[6]). Die Befürworter
- unabhängig von Person, Zeit und Ort - waren fasziniert von der Genauigkeit und Überprüfbarkeit der Fälle
und der verhältnismäßig hohen Trefferquote. (vgl. verschiedene Aufsätze in "Astrologische Rundschau",
Leipzig, 1919-1928 und "Neue Sternblätter"/"Mensch im All", Ebertin Verlag, Erfurt, 1933-1939).
Aktuell 2009: Die Methode „Hamburger Schule" ist weltweit verbreitet. Innerhalb
der gesamten Astrologie-Szene wird sie von verhältnismässig wenigen Personen bevorzugt eingesetzt.
Schätzungen: deutschsprachiger Raum etwa 1.000, übriger europäischer Raum etwa 2.000, englischsprachiger
Raum etwa 2.000, asiatischer Raum etwa 2.000 Personen.
Im DAV, Deutscher Astrologen Verband, gibt es eine "Sektion Hamburger Schule".
Literatur
Witte, Alfred: Der Mensch - eine Empfangsstation kosmischer Suggestionen. Reprint aller 47
Aufsätze von Alfred Witte von 1913-1925. Knapp kommentiert von Hermann Sporner. 358 Seiten, Hamburg 1975,
ISBN 3-920807-11-1
Witte, Alfred und Lefeldt, Hermann: „Regelwerk für Planetenbilder", 375 Seiten, Hamburg 1959
Schnitzler, Ilse und Lefeldt, Hermann: „Lexikon für Planetenbilder", 369 Seiten, Hamburg 1957
Lefeldt, Hermann: Methodik der Astrologischen Häuser und Planetenbilder. Band 1. Die Häuser.
335 Seiten, Hamburg 1962
Fleischhauer, Carl Otto: Alfred Witte – Landmesser und Astrologe – und die Hess-Affäre.
112 Seiten, Paperback, ISBN 3-00-012760-7, Hamburg, 2000/2003
Weblinks
International:
I-U-F, International Uranian Fellowship
Deutschland:
Alfred Witte Akademie: Synthese von Alfred Witte Technik und Agni Yoga • Hamburg
astrax.de: Kulturgut Astrologie eV
Hamburger Hefte
Astrologische Studiengesellschaft
Hamburger Schule eV
Astrologische Studiengesellschaft
Hamburger Schule eV
Witte-Verlag
Italien:
Lietta Catoni, Italien
Lettland:
The Baltic Astrological School/Valery Babaev
Niederlande:
WKO, Werkgroep Kosmobiologisch Onderzoek,
Den Haag
Russland:
Alfred Witte, Biographie von Albert R. Timashev, St. Petersburg, Russland (engl. und russ.)
Thailand:
BuddhaLuck,
Rasamichan Publishing House, Chulalongkom University, Bangkok
Astro Uranian, Thailand
USA:
Meira B. Epstein, New York, N.Y. (engl.)
Starcrafts Publishing (engl.)
Penelope Bertucelli, Penelope Publications (engl.)
Uranian Astrology (engl.)
Hamburg School of Astrology (engl.)
Alfred Witte (englisch)
Alfred Witte (deutsch)
Quellen:
Foto: Alfred Witte, aus "Regelwerk für Planetenbilder", 3. Auflage, Hamburg 1935
[1]Der Begriff Planetenbild in der Astrologie wird erstmals von Alfred Witte gewählt in seinem Aufsatz
„Die Auswertung des Erd-Horoskops und die Auslösung seiner sensitiven Punkte." (Astrologische Rundschau,
Leipzig, XI. Jahrgang, August-September 1921, Heft 11/12, Seite 172).
[2]Der Begriff Halbsumme in der Astrologie wird erstmals von Alfred Witte gewählt in seinem Aufsatz
„Der erste Transneptunplanet Cupido." (Astrologische Blätter, Berlin, V. Jahrgang, Monat Juli 1923,
Heft 4, Seite 52).
[3] - Faksimilie-Brief
[4] - Hamburger Hefte
[5] - KENNER, Kulturgut Astrologie eV, Freiburg
[6] Ebertin, Reinhold: Kombination der Gestirneinflüsse. Erfurt, 1940; 17. Auflage, Chiron Verlag, Tübingen, 2002
Ebertin, Baldur: Das ABC der Kosmobiologie. 75323 Bad Wildbad, 1989
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